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Oldtimer Tuning: Was ist erlaubt und was sollte man lieber sein lassen?

Oldtimer Tuning und H-Kennzeichen, ist das m?glich? Ja das ist es, auch wenn man immer wieder etwas anderes h?rt! Die ?berpr¨¹fung zur Vergabe ist jedoch an Bedingungen gekn¨¹pft, die nicht immer klar definiert sind und h?ngt nicht zuletzt vom Pr¨¹fer selbst ab. Was nun beim Tuning Ihres Klassikers immer m?glich ist, was gar nicht geht und worauf es besonders zu Achten gilt, erfahren Sie hier in diesem Ratgeber.

Autor: Brian Bennet
Position: Verkauf
Aktualisiert am: 21.11.2023

H-Kennzeichen und Tuning: Grundlagen

Die Grundlage beim Tuning ist, dass die Verkehrssicherheit nach Umbauten gegeben bleibt. Alle Teile und Tuning-Ma?nahmen sollten zudem langfristig alltagstauglich sein. Setzen Sie also immer auf hochwertiges Zubeh?r, sinnvolle Tuningma?nahmen sowie erstklassige Ersatzteile!

Dar¨¹ber hinaus muss das Oldtimer Tuning zeitgen?ssisch sein. Diesen Begriff kennt jeder Fahrzeughalter in der Regel vom Oldtimergutachten, aber was genau bedeutet er? Und wieso k?nnen offensichtlich getunte klassische Fahrzeuge dennoch ein H-Kennzeichen bekommen?

Die Antwort: Zeitgen?ssisch ist eben ein nicht ganz so eng gefasster Begriff, wie die meisten meinen. Es handelt sich dabei lediglich um eine bestimmte Zeitspanne, in die klassische Fahrzeuge eingeordnet werden k?nnen ¨C so bleibt ein Klassiker auch als solcher erkennbar.

Im Klartext bedeutet das: Wenn Umbauten in den ersten zehn Jahren nach Zulassung vollzogen wurden oder es die M?glichkeit gab, diese Anbauten in den ersten zehn Jahren durchzuf¨¹hren, sollte einem H-Kennzeichen nichts im Wege stehen. Hier gibt es jedoch einen Zusatz: So kann man auch Teile, die bis zu 10 Jahre nach der Erstzulassung technisch umsetzbar waren, problemlos verbauen.

Ein Beispiel: Wenn Ihr Oldtimer die Erstzulassung 1982 hat, ist es erlaubt, Teile zu verbauen, die bis 1992 innerhalb der Fahrzeugbaureihe erh?ltlich waren und deren Einbau technisch machbar war. Ihrem H-Kennzeichen steht in einem solchen Fall nichts im Weg.

Klassisches Motortuning mithilfe eines Weber-Vergasers: Hier in einem Jaguar D-Type

Wissenswertes zum Thema Oldtimer Tuning

Technisch umsetzbar und zeitgen?ssisch sind in der Praxis zwei Paar Schuhe ¨C technisch umsetzbar war vor 30 Jahren n?mlich schon sehr viel! Zum Beispiel Sonderanfertigungen von Reifen und Felgen ¨C und das zum Teil schon sehr fr¨¹h! Aber oft waren solche Spezialanfertigungen einfach zu teuer, um sie in der Praxis durchzuf¨¹hren.

Suchen Sie aber gern nach Bildern und Dokumenten von Fahrzeugen, die in jener Zeit individuelle Umbauten aufwiesen, die auch Sie gerne vornehmen w¨¹rden. Mit einem Beweis f¨¹r ein umgebautes Fahrzeug aus der gleichen Baureihe haben Sie immer ein gutes Argument im Gespr?ch mit dem Pr¨¹fer in der Hinterhand. Die besten Chancen hat man, wenn man f¨¹r die jeweiligen Anbauteile ¡­

  • Fotos aus alten Prospekten,
  • alte Fahrzeugbriefe,
  • Kopien von Fahrzeugbriefen
  • oder auch Testberichte und ?hnliches mitbringt.

Es empfiehlt sich, die zust?ndige Pr¨¹fstelle bereits vor dem geplanten Oldtimer Tuning aufzusuchen, um mit dem Vorhaben vorstellig zu werden. So k?nnen Sie im Vorhinein in Erfahrung bringen, welche Ma?nahmen machbar sind und was voraussichtlich keine Einzelabnahme bekommen wird ¨C ganz ohne viel Geld und M¨¹he in unzul?ssige Umbauten gesteckt zu haben.

Vor allem der Pr¨¹fingenieur ist eine wichtige Instanz, wenn nicht sogar die Wichtigste! Denn er hat das letzte Wort dar¨¹ber, was abgenommen wird und was nicht. Deshalb sollten Sie sich immer an offizielle Stellen wenden, die das n?tige Know-how aufweisen.  Die Pr¨¹forganisationen stellen Verzeichnisse f¨¹r spezialisierte Pr¨¹fingenieure in Ihrer Region zur Verf¨¹gung. Suchen Sie fr¨¹hzeitig Kontakt.

Zu guter Letzt kommt es bei der Abnahme immer auf den Einzelfall an. Denn gerade in Zweifelsf?llen gibt es keine allgemein g¨¹ltigen und verbindlichen Regeln ¨C ausschlaggebend ist dann am Ende oft das optische Erscheinungsbild.

Problemloses Oldtimer Tuning

Hier finden Sie einige Umbauten und Modifikationen, die Sie vornehmen k?nnen, ohne gleich Ihr H-Kennzeichen aufs Spiel zu setzen!

Teile der Fahrzeugelektrik und Katalysator-Nachr¨¹stung

Innerhalb der Fahrzeugelektrik ist es problemlos machbar, dass Sie von einer Gleichstromlichtmaschine auf eine Drehstromlichtmaschine umr¨¹sten. Auch von 6 Volt auf 12 Volt Bordspannung zu wechseln, ist absolut m?glich. Der Umwelt zuliebe darf au?erdem ein Katalysator nachger¨¹stet werden, ohne dass man das H-Kennzeichen verliert. Hier z?hlt der Umweltschutz n?mlich mehr als die Erhaltung des Kulturguts.

Reifen

Bei den Reifen darf etwas breiter werden, wenn der Abrollumfang gleich bleibt. Au?erdem ist die Umbereifung von Diagonal- auf Radial- bzw. G¨¹rtel-Reifen laut T?V beim Oldtimer m?glich. Wenn Sie jedoch vorne und hinten unterschiedliche Reifengr??en an Ihrem Klassiker sehen wollen, dann geht das nur, wenn sie entweder ab Werk bereits so vorgesehen waren oder im R?derkatalog bzw. in zeitgen?ssischen Pr¨¹fberichten so aufgelistet sind.

Umlackieren

Beim Oldtimer-Lackieren ist einiges m?glich: n?mlich alle Farbt?ne, die der Hersteller urspr¨¹nglich angeboten hat. Sogar Werbebanner k?nnen am Klassiker angebracht werden, denn das war schon vor 30 Jahren ¨¹blich. Voraussetzung ist dabei nur, dass die Schriftform zum Baujahr des Fahrzeuges passt.
Aber Achtung: Nicht zul?ssig ist die Anbringung einer E-Mail-Adresse oder einer Internetdomain!

Ein restaurierter Jaguar E-Type 4.2 im wundersch?nen Originalfarbton "primrose yellow" (=primelgelb)

Frisieren und Leistungssteigerung: Das Motor-Tuning

Beliebter als optisches Tuning ist die Leistungssteigerung, das klassische Frisieren. Beim Motoren-Tuning gibt es im Wesentlichen zwei M?glichkeiten.

  1. Einbau einer gr??eren und leistungsf?higeren Maschine, auch aus einer sp?teren Baureihe.
  2. Frisieren des vorhandenen eingebauten Serienmotors mit Motorsportteilen.

Oft eintragungsf?hig sind laut T?V Motoren aus der Baureihe des jeweiligen Fahrzeugtyps oder ein Motor des gleichen Herstellers, der ebenfalls mindestens 30 Jahre alt ist. Ein Motor eines anderen Herstellers ist ebenfalls zul?ssig. Aber nur dann, wenn er schon vor mindestens 20 Jahren eingebaut wurde. ?nderungen bzgl. der Motorisierung m¨¹ssen, kurz gesagt, der damaligen Baureihe entsprechen.

Hier zwei Beispiele:

  • Es sollte m?glich sein, den Rover V8 in einen MG-B einzubauen und diesen Umbau eintragen zu lassen. Die Umbauten hat es damals bereits gegeben und sind auch vom Hersteller bereits durchgef¨¹hrt worden.
  • Auch werden oft Autobianchi A112 Motoren in Fiat 600 oder 850 eingebaut, um Abarth Replikas zu bauen. Auch diese Umbauten d¨¹rften als zeitgen?ssisch m?glich eintragungsf?hig gelten.

In der Regel nicht eintragungsf?hig ist das klassische Frisieren, also die Leistungssteigerung des serienm??igen Motors mit Hilfe von polierten Kan?len, steilen Nocken und hochverdichteten Kolben. Oft ist es allerdings so, dass solche Umbauten weder optisch noch akustisch besonders auffallend sind.

Ver?nderungen im Innenraum

Im Innenraum kann gerne umger¨¹stet werden, aber immer dezent und qualitativ auf dem Level eines echten Klassikers! Das hei?t: Leder, Kunstleder und Felle sind dann ok, wenn sie dezent sind und zur Gesamtoptik passen.

Das gilt auch f¨¹r Radios und Navigationsger?te. Solange diese im Retro-Look verarbeitet sind, kann man nachr¨¹sten, jene mit moderner Optik aber nicht. Generell werden Umbauten, die die Sicherheit im Fahrzeug erh?hen, bei Gutachten gern abgenommen ¨C beispielsweise Sicherheitsgurte, Kopfst¨¹tzen oder ?hnliches.

So sind Nachfertigungen von originalen oder zeitgen?ssischen Oldtimer Lenkr?dern laut T?V erlaubt. Holzlenkr?der sind im Oldtimer nur dann zul?ssig, wenn sie original sind oder originalgetreu nachgebaut wurden und so die urspr¨¹ngliche Optik des Fahrzeuges aufweisen. Bei den Sitzen darf ebenfalls umgebaut werden, jedoch nur innerhalb desselben Herstellers und bei passender Konsole.

Was beim Oldtimer Tuning gar nicht geht

Hier finden Sie eine Auswahl der Oldtimer Tuning No-Gos ¨C zumindest, wenn man sein H-Kennzeichen nicht riskieren m?chte.

Karosserie: Anbauteile, Scheinwerfer und Umbauten

LED-Scheinwerfer sind in der Regel kein zul?ssiger Umbau f¨¹r das H-Kennzeichen, nicht zeitgem??. Dasselbe gilt auf f¨¹r Umbauten auf Elektromotoren, nicht zeitgem??. Das mag hip, ?kig und woke sein, entspricht aber nicht der Idee des H-Kennzeichens, n?mlich der Bewahrung automobilen Kulturguts.

In Sachen Karosserie ist es eher schwierig, Um- und Anbauten aus modernen Materialien wie Carbon und Gfk genehmigt zu bekommen. GfK-Teile und Teile aus Carbon werden unter Umst?nden anerkannt, wenn ihr Erscheinungsbild nicht vom Original abweicht und diese Teile keine tragende Funktion haben oder zur Festigkeit des Rahmens beitragen. Komplett-Karossen aus GfK oder Carbon werden sicher nicht von der Pr¨¹fstelle akzeptiert.

Folierungen, egal ob an den Scheiben oder an der Karosserie, werden bei der Pr¨¹fung h?chstwahrscheinlich ebenso nicht durchgewunken.

Nachfertigungen und Replikas werden nach 30 Jahren historische Fahrzeuge. Allerdings mit dem Namen des Replikaherstellers.

Uneindeutig ist die Behandlung von Umbauten, wie von der Limousine zum Cabrio. Diese werden in der Regel ebenfalls nicht vom T?V akzeptiert. Ausnahme: Der Umbau ist mindestens 20 Jahre alt und es hat die Variante im offiziellen Angebot des Herstellers einmal gegeben. Oder Umbau ist mindestens 30 Jahre alt und selbst bereits ein klassisches Fahrzeug.

Elektronische Gadgets

Elektronische Einparkhilfen sind ein No-Go beim Tuning von Oldtimern, die ein H-Kennzeichen wollen. Denn um zu funktionieren, m¨¹ssen Sensoren an verschiedenen Stellen angebracht werden. Nicht nur vorne und hinten, sondern meist auch seitlich zumindest im Bereich der Sto?stangen. Damit wird die Optik der Karosserie ma?geblich ver?ndert. Wenn Sie jedoch eine M?glichkeit haben, die Sensoren versteckt unterzubringen, lohnt sich ein Vorsprechen bei der Pr¨¹fstelle ¨C bevor Sie den Umbau t?tigen ¨C sicherlich.

Komfort-Umbauten wie Sitzheizung oder Servolenkung sind unter Liebhabern von klassischen Fahrzeugen wenig beliebt und werden vom Pr¨¹fer eher nicht abgenommen.

Umbauten am Fahrwerk

Ein H-Kennzeichen erfordert immer ein Original-Fahrwerk und somit sind H?her- oder Tieferlegung beim H-Kennzeichen-Erwerb ebenfalls ausgeschlossen, au?er die ben?tigten Teile wurden damals, also vor mindestens 30 Jahren, bereits angeboten.

Des Weiteren sind nur Originalfedern oder originalgetreue Ersatzteile beim Fahrwerk erlaubt. Wenn Sie beispielsweise auf h?rtere Sto?d?mpfer umsatteln m?chten und diese originalgetreu sind, dann ist das m?glich.

Triumph 6 mit Originalfahrwerk: Federn und Sto?d?mpfern vorne

Fazit: H-Kennzeichen, Oldtimer Tuning und die m?glichen Konsequenzen

Jeder Besitzer eines klassischen Fahrzeugs stellt sich vermutlich einmal die Frage: Aufr¨¹sten, Frisieren oder im Originalzustand belassen? Viele Fahrzeugbesitzer entscheiden sich zwar f¨¹r den Beibehalt des Originalzustandes, aber das Veredeln von Young- und Oldtimern war und ist immer noch beliebt. Denn so kann man seinem Fahrzeug einen pers?nlichen Touch verleihen und es perfekt auf die eigenen Bed¨¹rfnisse anpassen.

Egal ob Fahrwerk, Felgen, Elektrik oder Leistungssteigerung ¨C findige Schrauber finden fast ¨¹berall Modifizierungs-Potenzial! Manche wollen auch den Komfort einer Servolenkung oder den eines modernen Radios mit Bluetooth im schicken Klassiker nicht missen. Und immer wieder sieht man auch Klassiker mit H-Kennzeichen, die un¨¹bersehbar und umfangreich umgebaut wurden. Wie ist das m?glich? Ganz einfach: Durch umfassendes informieren, bevor man einen Um- oder Anbau t?tigt!

Denn wer zu eifrig ans Werk geht, ohne sich zu informieren, dem setzt der Gesetzgeber schnell Grenzen und das H-Kennzeichen muss abgenommen werden. So m¨¹ssen Sie im schlimmsten Fall mehr Steuern bezahlen und haben kein Aush?ngeschild mehr am Wagen, das es als ?kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut¡° auszeichnet ¨C ein herber Statusverlust sozusagen.

So muss jeder Tuning-Begeisterte am Ende selbst entscheiden, wie weit er gehen m?chte: Ob er lieber ein individuelles Einzelst¨¹ck dank geschickter Umbauten f?hrt oder sich eher daf¨¹r entschlie?t, in Umweltzonen fahren zu d¨¹rfen, weniger f¨¹r die Versicherung zu zahlen und steuerliche Vorteile in einem originalgetreuen Klassiker, der als Kulturgut gilt, zu genie?en.

H-Kennzeichen - Was man wissen muss 

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